Wechseljahre

Geschrieben von Dr. med. Dr. phil. Hans-Jürgen Bickmann am .


Wechseljahre (Klimakterium) sind eine Zeit des seelischen und körperlichen Umbruchs. Als Menopause bezeichnet man die letzte Menstruation, welche im allgemeinen im Alter von 50 bis 52 Jahren eintritt; danach stellen die Eierstöcke ihre Hormonproduktion ein, und es kommt zu einem Mangel an Östrogenen. Bereits vorher kann eine Frau an unregelmässigem Zyklus und beginnenden Wechseljahresbeschwerden leiden. Unsere gestiegene Lebenserwartung bringt es mit sich, dass Frauen über ein Drittel ihres Lebens in einem Zustand des Östrogenmangels verbringen würden; dies war von Mutter Natur wohl nicht so geplant. Auch bei Männern ist von der sog. Andropause die Rede, doch kennen Männer keinen derart plötzlichen Hormonabfall.


Wechseljahresbeschwerden infolge Östrogenmangel

  • Wallungen (aufsteigende Hitze) und Schweissausbrüche
  • Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Antriebslosigkeit, Depressionen
  • Scheidentrockenheit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Reizblase, Urinverlust durch Austrockung und Ausdünnung der Gewebe von Scheide, Harnröhre und Blasenhals
  • Abnahme des sexuellen Verlangens
  • Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen
  • Schlafstörungen (Einschlaf- und Durchschlafstörungen, zu frühes Erwachen)
  • Attacken von Herzklopfen, Herzrasen, Herzstolpern, Herzbeklemmung
  • Gelenkbeschwerden (rheumaähnliche Schmerzen, v.a. im Bereich der Fingergelenke)
  • Augenbeschwerden, Sehstörungen, trockene Augen
  • Austrocknung der Haut mit Fältchenbildung (Frauen mit Hormonbehandlung werden durchschnittlich 3-4 Jahre jünger, Frauen ohne 3-4 Jahre älter geschätzt als sie tatsächlich sind)
  • Wichtig für Sängerinnen: Schwankungen der Stimme und des Timbre


Langzeitschäden des Östrogenmangels

Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegen: Frauen, welche den Hormonmangel korrigieren, haben in späteren Jahren

  • weniger Knochenbrüche infolge Osteoporose,
  • weniger Herzinfarkte,
  • erkranken seltener an der Alzheimer-Krankheit
  • Hormonersatzbehandlung

Eine Hormonersatzbehandlung mit Tabletten, Pflastern oder Salben ist weder ein Jungbrunnen noch ein Ersatz für die Auseinandersetzung mit dem eigenen Älterwerden. Sie kann aber die Wechseljahresbeschwerden wirksam beheben und beugt Spätschäden des chronischen Hormonmangels vor. Die Hormonersatzbehandlung wird von mir grundsätzlich befürwortet, weil sie weit mehr Vorteile als Nachteile aufweist. In jedem Fall braucht es aber ein ausführliches Beratungsgespräch, um auf Ihre individuelle Situation eingehen zu können. Zudem wissen wir heute, dass die Östrogene möglichst niedrig und individuell dosiert werden sollen. Es ist also nicht mit der Abgabe eines Medikamentes getan; der Behandlungserfolg soll regelmässig überprüft werden.


Pro und Contra

  • Östrogen-Rezeptoren sind im Gehirn weit verbreitet, Gedächtnis, intellektuelle und Rechenfähigkeiten sind Östrogen-abhängig
  • Wohlbefinden, Stimmung und Sexualität können bessern
  • Alzheimer-Krankheit nimmt um 30% ab bzw. wird um 10 Jahre hinausgezögert
  • Kollagenbildung und Elastizität der Haut nehmen bei Östrogenmangel ab
  • Brustkrebsrisiko nimmt wahrscheinlich minim zu (besonders bei langjähriger Behandlung), Sterblichkeit an Brustkrebs ist aber nicht erhöht
  • Aber: Dickdarmkrebs-Risiko nimmt ab, weniger tödliche Herzinfarkte (zehnmal häufiger als Todesfälle an Brustkrebs).

Vielen Dank!

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