Sterilitätsdiagnostik

Geschrieben von Dr. med. Dr. phil. Hans-Jürgen Bickmann am .

Noch vor 25-30 Jahren bekamen Frauen ihr erstes Kind in ihren frühen Zwanzigern, und der Kinderwunsch war mit 30 Jahren in der Regel abgeschlossen. Zwar wollen auch heute noch die meisten Frauen bzw. Paare ein Kind, aber in der Regel wird an die Verwirklichung dieses Wunsches erst in einem Alter von 30 Jahren und später gedacht. In nicht wenigen Fällen stellt sich dann die gewünschte Schwangerschaft nicht ein.



Man weiß seit langem, dass etwa 10 bis 15% aller Paare mit Kinderwunsch nicht spontan schwanger werden, und vielen dieser Paare kann ärztlich geholfen werden. Häufig stellt sich den Paaren die Frage, wie lange sollen wir noch warten, wann sollen wir medizinische Hilfe in Anspruch nehmen? Diese Frage ist um so drängender, wenn „die Zeit abzulaufen" scheint.



Heute ist auf Grund genauerer Untersuchungen bekannt, dass bei Paaren, bei denen im Hinblick auf die Fortpflanzungsfähigkeit keinerlei Störung besteht, in 80-90% der Fälle die gewünschte Schwangerschaft binnen eines halben Jahres eintritt. Bei den übrigen liegen in der Hälfte der Fälle entweder bei dem Mann, der Frau oder bei beiden zusammen Störungen vor, die den Eintritt einer Schwangerschaft behindern oder unmöglich machen. Nach Ablauf eines Jahres kann dies bei nahezu allen Fällen angenommen werden. Es gilt daher die Daumenregel, dass spätestens dann gezielte Untersuchungen bei beiden Partnern erfolgen sollten. Binnen kürzester Zeit können Experten zu einer sicheren Diagnose kommen und die erforderliche Behandlung einleiten.



Mit der Abklärung des unerfüllten Kinderwunsches nicht zu lange zu warten, gilt insbesondere für Frauen jenseits des 35. Lebensjahres. Es fängt dann allmählich die Erschöpfung der Eierstöcke an, so dass die Anzahl der Eizellen, die zu einer Schwangerschaft führen können, sinkt. Erfolgreiche Behandlungen sind allerdings in Einzelfällen auch noch nach dem 40. Lebensjahr möglich.



Sollten Symptome vorliegen, die bei dem Paar bereits auch ohne ärztliche Diagnose den Verdacht auf eine Störung aufkommen lassen, wie bei unregelmäßigen Blutungen oder Regelbeschwerden, dann sollte die Abklärung sofort erfolgen.

Nahezu ein Drittel aller weiblichen Sterilitäten beruht auf dem Verschluß eines oder beider Eileiter, meist in Folge einer Entzündung.

Daher ist die Prüfung der Durchgängigkeit der Eileiter im Rahmen der Sterilitätsdiagnostik von vorrangiger Bedeutung.

Bislang wurden hierzu zwei Verfahren eingesetzt: Die Röntgendurchleuchtung und die Bauchspiegelung. Beide sind zuverlässige Methoden. Die Röntgenuntersuchung hat aber den Nachteil der Belastung durch Röntgenstrahlen, und die Bauchspiegelung ist nur in Vollnarkose möglich und außerdem nicht frei von ernsten Gefahren wie Verletzungsrisiken an großen Blutgefäßen und am Darm mit unter Umständen lebensbedrohlichem Ausgang.

Die Fortschritte der Ultraschalltechnologie (hochauflösende Vaginalsonden) und die Entwicklung eines Ultraschallkontrastmittels ermöglichen es, die Durchgängigkeit der Eileiter risikolos mit der neuen Technik der Hystero-Kontrast-Salpingographie (englischsprachige Abkürzung “HyCoSy”) zu untersuchen.

Vor der Untersuchung muß eine Entzündung der Scheide oder der inneren Geschlechtsorgane von der Frauenärztin/dem Frauenarzt ausgeschlossen werden. Bei einer Unverträglichkeit gegen das ga- laktosehaltige Kontrastmittel (kommt bei 1 auf 30000 Personen vor) gilt die HyCoSy als kontraindiziert. Eine Schwangerschaft darf nicht bestehen.

Günstig ist ein Zeitpunkt zwischen dem 11. und 13. Zyklustag, weil dann natürlicherweise der Muttermund und der Gebärmutterhalskanal weit genug geöffnet sind, um einen dünnen Katheter (= Silikonschläuchlein) in die Gebärmutterhöhle ohne Widerstand einzuführen.

Dies geschieht wie bei einer üblichen frauenärztlichen Untersuchung auf dem Untersuchungsstuhl, nachdem die Scheide mit den Scheidenspiegeln entfaltet und desinfiziert worden ist.

Anschließend wird eine kleine Menge (2-3 Milliliter) des Kontrastmittels durch den Katheter gegeben: Jetzt kann mit dem hochauflösenden Ultraschallgerät beobachtet werden, wie sich die Gebärmutterhöhle füllt und der Kontrastmittelfluß in den Eileitern sichtbar wird. Der zusätzliche Einsatz des gepulsten Dopplers (PW-Doppler) und des Farbdopplers (Color Flow Mapping) erlaubt den Nachweis des Durchflusses durch die Eileiter und des freien Austritts aus dem Eileitertrichter.

Die Patientin kann diesen Vorgang selbst auf dem Ultraschallbildschirm mitverfolgen.

Damit ist die freie Durchgängigkeit der Eileiter nachgewiesen, der Katheter wird herausgezogen, und die Untersuchung ist beendet.

Während des Untersuchungsvorganges, der meist zwischen fünf und zehn Minuten dauert, können leichte, ziehende Schmerzen im Unterleib verspürt werden, ähnlich Regelschmerzen. Sie klingen normalerweise rasch ab. In seltenen Fällen können Übelkeit und Erbrechen oder Schwindelgefühl auftreten. Ich rate daher ab, selbst Auto zu fahren.

Wenn Sie es wünschen, kann Ihr Partner bei der Untersuchung dabei sein.


Vielen Dank!

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in Siegen auf jameda

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